Interview mit Sabrina Fox
"Suchen Sie sich baldmöglichst einen deutschen Metzger!"
Frage: Sie wollen wieder heim?

Sabrina Fox: Als ich nach Kalifornien auswanderte, bildete ich mir ein, ein Weltbürger zu sein. Dort merkte ich erst, wie deutsch ich bin. Für amerikanische Verhältnisse viel zu kurz angebunden und rechthaberisch.

Unter anderem lernte ich auch von den Amerikanern, dass man ?Ich liebe dich" mehr als einmal im Jahr sagen darf. 16 Jahre später verließ ich die Staaten wieder. Dieses Mal als Europäer.

Frage: Was ist typisch amerikanisch?

Sabrina Fox: Neben den hohen Stimmen der Frauen, meinen Sie? Der Optimismus - selbst wenn er zurzeit gedämpft ist. Der Amerikaner schaut eher nach vorne und erwartet Positives von der Zukunft. Amerikaner sind religiös, teilweise für unsere Verhältnisse eher unaufgeklärt. Und er liebt sein Land.

Dazu kommt in der Regel ein großartiger Service, riesige Portionen beim Essen und Eiswürfel, Eiswürfel, Eiswürfel und ihre große Liebe zu Klimaanlagen.

Frage: Was ist dagegen typisch deutsch?

WSabrina Fox: Wir sind ordentlich und wollen gerecht sein. Wir sind ein Volk von Regeln und Apotheken. Wir schauen häufiger nach hinten und sind weniger flexibel. Wir beklagen uns sehr viel mehr als der Durchschnittsamerikaner. Dafür verklagen wir weniger.

Ich bin außerdem obrigkeitshörig. Wir umgeben uns auch gerne mit Qualitätsproduukten, dafür schätzen uns die Amerikaner. Und, im Gegensatz zum Durchschnittskalifornier, können wir feiern und schätzen das gemütliche Zusammensitzen.

Frage: Was können die Amerikaner von uns lernen?

Sabrina Fox: Dass man Gutes, Altes auch pflegen muss - Gebäude zum Beispiel - und dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann. Ich hoffe auch, dass sie bald ihre Fahrenheit, Cups und Ounces aufgeben und sich den Celsius und Zentimetern anschließen.

Die Erkenntnis, dass Europa kein Disneyland ist, dass man in den mageren zwei Wochen Urlaub - die ein Amerikaner im Durchschnitt hat - besucht, sondern von der Erfahrung im ?good old Europe" auch etwas lernen kann.

Die Mentalität der Amerikaner gleicht eher einem Teenager, während wir Europäer einem mittelalterlichen Herrn entsprechen. Wir können gegenseitig voneinander profitieren: Wir von der Begeisterung der Amerikaner und sie von der Bedächtigkeit der Europäer.

Frage: Was können wir von den Amerikanern lernen?

Sabrina Fox: Freundlicher zu sein, obwohl wir da in den letzten Jahren schon einiges verbessert haben; dem anderen, wenn er etwas mehr hat, ihm dies auch zu gönnen, und - wie die Amerikaner - zu glauben, dass, wenn soundso es geschafft hat, dann können sie das auch selbst schaffen.

Frage: Ohne was kann man in Kalifornien nicht überleben?

Sabrina Fox: Ein Auto, einen günstigen Telefonservice, damit man die stundenlangen Gespräche nach Deutschland auch bezahlen kann, und ich hoffe, Sie mögen Hühnerbrust - am liebsten ohne Knochen und ohne Haut, das Nationalgericht der gesundheitsbewussten Kalifornier mit kaum gedünsteten Gemüse, das dort als knackig, bei uns als roh, durch geht.

Frage: Ihr Tipp für jemanden, der für längere Zei nach Kalifornien geht?

Sabrina Fox: Suchen Sie sich baldmöglichst einen deutschen Metzger - das Brot ist Gott sei Dank besser geworden - um besorgen Sie sich ein Auto mit Automatikgetriebe, denn Sie werden viel Zeit im Auto verbringen.<<P> Nehmen Sie sich auch einen Vorrat ihrer Lieblingszahnpasta, ihren deutschen Messbecher und fürs Heimweh ?Sissi" 1. bis 3. Teil auf DVD mit. Und natürlich mein Buch (lacht).


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Sabrina Fox. Foto: Knaur / Jorinde Gersina
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?Ich liebe Los Angeles, wie man einen Ex-Freund liebt. Ich bin froh, dass ich nicht mehr mit ihm zusammenlebe, aber ich freue mich, wenn ich ihn wiedersehe."

Einmal L. A. und zurück: Bestsellerautorin Sabrina Fox lädt ein zu einer Reise durch ihr ganz persönliches Amerika. Mit einem liebevollen Blick auf Land und Leute erzählt sie von ihrem Leben als Ehefrau eines erfolgreichen Film-Managers in Hollywood.

Wie dabei typisch deutsche auf typisch amerikanische Eigenarten prallen und mitunter zu skurrilen Missverständnissen führen. Aber auch, wie die Distanz über die Jahre hinweg ihren Blick auf Deutschland veränderte, und wie der Aufenthalt in einem fremden Land sie wichtige Lektionen für das Leben lehrte.

Sabrina Fox war knapp 30 und erfolgreiche Fernsehmoderatorin, als sie in die USA aufbrach. Als nach 16 Jahren ihre Ehe zerbrach, hatte sie eine neue Heimat gefunden und freute sich doch über die Rückkehr in ihre Heimatstadt München.

Fast zwei Jahrzehnte in L. A., der Stadt der Stars und Sternchen - Sabrina Fox hat viel zu erzählen: Über Hollywood, die Kalifornier und die Amerikaner generell. Über heimwehkranke Deutsche Schäferhunde und die Angst vor Überfällen. Über süchtig machenden Onion-Dip und den Körperkult der Kalifornien.

Über Komparsen bei der Oscar-Verleihung und in der Toilettenschlange stehen mit Meryl Streep und Angelina Jolie. Über Erfahrungen mit amerikanischen Baumärkten und deutschen Samstagabend-Shows. Und vieles mehr. Und über die Einsicht, dass sie sich viel deutscher fühlt, als sie erwartet hatte, und froh ist, wieder heimzukehren.

Ihr aktuelles Buch Mrs. Fox will wieder heim: Wie ich die Amerikaner verstehen und die Deutschen lieben lernte (Buch bei Amazon bestellen) ist seit Juni 2008 im Handel erhältlich.

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Datum. Quelle: Knaur © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken