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Interview mit Sebastian Koch "Ich habe bisher wenig Kinorollen gespielt, einfach weil es so wenig gute gibt." |
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Frage: Was
für eine Figur ist Ihr Georg Dreyman? Er ist ein
Intellektueller, ein Künstler. Ist er auch naiv und steht
außerhalb der politischen Realitäten?
Sebastian Koch: Er ist ein Literatur-Star der DDR, lässt sich als Aushängeschild des real existierenden Sozialismus verwenden ? und weiß trotzdem irgendwo tief unten, dass etwas mit dem System nicht stimmt. Es geht ihm gut, er hat sich arrangiert und fühlt sich trotzdem nicht ganz wohl. Obwohl er es sicher anders beschreiben würde: Das ist klassisches Mitläufertum.
Frage: Was war für Sie der Anreiz, hat die Rolle Sie gleich angesprochen, als Sie das Drehbuch lasen? Sebastian Koch: Das Buch ist äußerst intelligent geschrieben und sowohl dramaturgisch als auch emotional so beeindruckend, wie es das selten gibt im deutschen Film. Wenn einem so etwas angeboten wird, muss man das einfach spielen. Ich habe bisher wenig Kinorollen gespielt, einfach weil es so wenig gute gibt. Andererseits kann das Kino mit seiner spezifischen Ästhetik einen so umfassenden, differenzierten Stoff besser erzählen als das Fernsehen. Die Rolle ist spannend und hat viele Nuancen, auch wenn man zunächst denkt, dieser Dreyman sei eine reine Projektionsfläche. Einer, der alles kann, ein rundum toller ? und damit vielleicht auch ein bisschen langweiliger ? Mensch. Wir haben sehr lange daran gearbeitet, die vielen Facetten dieser Persönlichkeit herauszufinden, gerade auch die Brüche, die sie so interessant machen. Einerseits hat Dreyman sich ja ein sehr ungewöhnliches Leben aufgebaut. Er ist erfolgreich, mit einer schönen, berühmten Frau, einer prachtvollen Wohnung mit Büchern und Musik. Andererseits prägt ihn aber auch eine große Traurigkeit, die fast nie angesprochen wird in dem Film, die aber zu jedem Moment da ist. Tatsächlich ist Dreyman eine sehr einsame Figur. Und diese verschiedenen Gesichter machen die Spannung aus. Es ist schön, wenn man eine Sache spielen und sich gleichzeitig den Subtext kontinuierlich erarbeiten kann. Ich hatte einen Regisseur, der das mitgemacht hat, der immer offen war für neue Entdeckungen innerhalb der Figur. Der sagte: ?Du bist Dreyman, höre in dich hinein.? Ich glaube, diese feinstoffliche Verständigung zwischen uns kann man von der Leinwand herab spüren. Frage: Wie haben Sie sich der Rolle genähert? Sebastian Koch: Es gibt bei mir in dem Kampf um eine Figur meist einen klar identifizierbaren Schlüsselmoment, ab dem ich glaube, die Figur wirklich verstanden zu haben. In diesem Fall war es Folgendes: Florian spielte mir die Sonatine vor, die Gabriel Yared für den Film komponiert hatte und die Dreyman im Film am Klavier spielt. Und plötzlich verspürte ich den dringenden Wunsch, dieses Stück selbst zu spielen, obwohl ich nicht Klavier spielen konnte! Ich habe dann wochenlang trainiert, bis ich es so spielen konnte, dass selbst Gabriel beeindruckt war. Die Versenkung in diese Musik hatte etwas Meditatives und war für mich der Zugang zu meiner Rolle. Das Eintauchen in diese Musikwelt war das Geheimnis. Frage: Was hat Sie an der Thematik interessiert? Sebastian Koch: Ich hatte das Gefühl, das ist endlich mal ein deutscher Film, dem es gelingt, auf sinnliche Weise eine Atmosphäre herzustellen, ohne auf bewährte Mittel oder den schnellen Erfolg zu schielen. Der Authentizität vermittelt, etwas Eigenes zu sagen hat und frei von Klischees ist. Frage: Wie war die Arbeit mit Florian Henckel von Donnersmarck? Sebastian Koch: Wir sind seit Jahren gut befreundet und haben somit vieles gemeinsam erarbeiten können. Florian ist ein sehr intelligenter und hochsensibler Mann, der das Talent hat, seine Visionen umzusetzen. Für einen Erstlingsfilm ist das ganz besonders erstaunlich. Er wusste genau, was er wollte, hat sich nicht von mir oder den anderen Schauspielern einschüchtern lassen, sondern alle ganz wunderbar dahin gebracht, wo er sie haben wollte. Frage: Ist es heute wichtig, einen solchen Film zu sehen? Gab es für Sie persönlich eine Verbindung ?nach drüben?? Sebastian Koch: Ich denke, jeder hat da seine Erfahrungen. Vor allem leben wir aber alle mit diesen Menschen zusammen, die in einem Staat existieren mussten, dessen Macht unvorstellbar war. Die heute so tun, als sei alles in Ordnung, die aber eine gewaltige Hypothek mit sich herumschleppen. Deshalb ist dieser Film auf jeden Fall wichtig. März 2006. Quelle: Buena Vista. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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