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Interview mit Stefan Aust "Es gibt Szenen in dem Film, die mir wirklich sehr nahe gehen!" |
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Frage: Wie kam
es dazu, dass Sie das Buch "Der Baader Meinhof Komplex"
schrieben?
Stefan Aust: Ich war von 1966 bis 1969 Redakteur bei "konkret" und kannte so eine Menge Leute, die später direkt oder indirekt mit der Roten Armee Fraktion zu tun hatten, unter anderen eben auch Ulrike Meinhof.
Frage: Wie war Ihre Reaktion, als Bernd Eichinger Ihnen sagte, er wolle Ihr Buch verfilmen? Stefan Aust: Meine Reaktion war: ?Wird aber auch Zeit!' Ich hatte schon 20 Jahre darauf gewartet, dass Bernd Eichinger mir anbietet, "Der Baader Meinhof Komplex" zu verfilmen. Frage: Wird der Film Ihrer Meinung nach Ihrem Buch gerecht? Stefan Aust: In meinem Buch wollte ich nicht meine persönliche Meinung zu den darin beschriebenen Ereignissen kund tun, sondern einfach nur beschreiben, was passiert ist. Und deshalb habe ich alle verfügbaren Materialien zusammengetragen und das aufgeschrieben, was ich gefunden habe. Das heißt, ich habe versucht, so nah wie möglich an die Personen und tatsächlichen Fakten heranzukommen, und das ist, glaube ich, auch der Grund dafür, dass sich mein Buch so lange gehalten hat. Bei Bernd Eichinger und Uli Edel hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass sie mit dem Film das gleiche Ziel verfolgten - sie wollten, genau wie ich, die Geschichte in ihrer Differenziertheit erzählen und gleichzeitig den Kern herauskristallisieren. Und ich finde, das ist ihnen wirklich sehr gut gelungen. Schon im Drehbuch hat Bernd Eichinger die Ereignisse wirklich sehr gut und auf nachvollziehbare Weise verdichtet. Soweit ich das beurteilen kann, sind die Grundlinien der Personen und der Handlungsabläufe sehr gut getroffen worden. Ich bin von dem Film wirklich sehr beeindruckt. Frage: Gibt es Szenen oder Stellen im Film, die Sie besonders bewegen? Stefan Aust: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die heulen. Aber es gibt Szenen in dem Film, die mir wirklich sehr nahe gehen. Zu sehen, mit welcher Folgerichtigkeit sich Ulrike Meinhof in ihr Unheil stürzt und sich daraus nicht mehr befreien kann, hat mich am meisten bewegt. Martina Gedeck hat auch das Wesen von Ulrike Meinhofs Verhaltensweisen sehr genau getroffen. Der Film vermittelt große Authentizität und hat stellenweise sehr viel von einem Dokumentarfilm. Immer wieder sieht man Bilder, die man von Fotos oder historischen Aufnahmen her kennt - also Bilder, die mittlerweile zum historischen Bewusstsein der Republik gehören. Gleichzeitig eröffnet einem der Film eine neue Dimension der Geschichte, die man in einem Dokumentarfilm nicht zeigen kann, und das finde ich wirklich sehr beeindruckend. Frage: Wie war das, sich selbst als Figur auf der Leinwand zu sehen? Stefan Aust: Ich sah mal so ähnlich aus, glaube ich (lacht). Also, ich will mal sagen, optisch sehr ordentlich besetzt. Es gibt eine Szene, in der ich Gudrun Ensslins Eltern interviewe. In Wirklichkeit wurde dieses Interview von einem anderen Journalisten ausgeführt. Da das aber nichts am Geschichtsverlauf ändert, ist das als dramaturgisches Mittel absolut vertretbar. Aber natürlich gibt es Szenen, bei denen ich dabei war und die tatsächlich so waren. Die Demonstration beim Springer-Auslieferungspark ist unglaublich dicht dran an dem, was man selbst in dieser Nacht erlebt hat. Frage: Es gibt immer noch die These, dass Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nicht Selbstmord begingen, sondern umgebracht wurden. Was sagen Sie dazu? Stefan Aust: Nach dem Fall der Mauer flog auf, dass Aussteiger aus der zweiten oder dritten Generation der RAF in der DDR untergetaucht waren. Diese Aussteiger haben alle ausgesagt, und so kamen eine ganze Menge neuer Informationen zu Tage. Das Wichtigste dabei war, dass nach der Schleyer Entführung innerhalb der Gruppe sehr offen darüber geredet wurde, dass es Selbstmord war. Ich habe das damals für das Buch sehr intensiv recherchiert. Es wäre für das Buch, ich darf es mal zynisch sagen, die bessere Geschichte gewesen, wenn die RAF-Gefangenen in Stammheim ermordet worden wären. Aber alle Spuren, die auf irgendeine Art von Fremdeinwirkung hindeuteten, führten ins Leere. September 2008. Quelle: Constantin. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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