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Interview mit Tom Albrecht "Es ist kein Fehler, freundlich zu sein." |
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Frage: Ist das
Leben schön?
Tom Albrecht: Oh, ja, das finde ich tatsächlich. Mein Leben ist wirklich oft sehr schön. Und davon singe ich auch. Dazu gehört allerdings, von den nicht so schönen Seiten des Lebens zu singen.
Tom Albrecht: Dieser Song hat eine Vorgeschichte, die mich nach wie vor sehr berührt. Ich war mit meinem besten Freund in Thüringen. Er wollte dort seine frühere Freundin wiedertreffen. Und um ein Stadtfest zu besuchen. Und dort wurden wir von skinmäßigen Jugendlichen angemacht. Mein Freund wehrte sich - mit einem Messer. Dabei wurde einer der Angreifer tödlich verwundet. Mein Freund wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Frage: Eine harte Strafe. Tom Albrecht: Es ließ sich nicht genau belegen, dass es pure Notwehr war. Ich habe darüber dieses Lied geschrieben - und darüber, dass eine tolle Freundschaft plötzlich nicht mehr so sein kann wie früher. Wir hatten uns alles sagen, alles erzählen können ... die Briefe ins Gefängnis brauchen wahnsinnig lang. Natürlich habe ich für das Lied alles ein bisschen abstrakter formuliert, aber ich denke an ihn oft. Und daran, dass Thüringen 'ne echt harte Gegend ist. Frage: Thüringen speziell? Tom Albrecht: Nein, natürlich jede Gegend, wo völlig sinnlose Gewalt wächst. Aber in meinem Fall war es nun mal Thüringen - es hätte ebenso Nordrhein-Westfalen oder sonstwo sein können. Jedenfalls hat bei der Verhandlung einer gesagt, das, was da passiert ist, das musste ja mal so kommen. Frage: Dein Song klingt sehr wehmütig, dennoch optimistisch. Tom Albrecht: Weil ich so empfinde: Sein Leben ist irgendwie in einer Sackgasse. Er ist ja nicht tot, Gott sei Dank. Aber Alltag, wie ich ihn kenne, der ist nicht möglich. Was alles in meinem Leben passiert, das wollte ich ihm erzählen. Trotz alledem geht das Leben weiter, und es kann sehr schön sein. Klingt ja vielleicht banal, aber deshalb trotzdem wahr. Frage: Passt dieses Gefühl zu einem Musiker, der vor kurzem noch schwer einen auf HipHop gemacht hat? Tom Albrecht: Zu mir passt das auf alle Fälle. Ich hab' ja früher mit meiner Band "Wise Economicxs" Musik gemacht. Und wenn ich selbst komponiert hab', hieß es immer, hey, das ist ja kein HipHop. Und richtig, das war es nicht. Frage: Sondern? Tom Albrecht: Da war immer richtig Gefühl im Spiel. Ich steh' nun mal auf Dramatik, ich mag das Pathetische. Das wurde in den Achtzigern zwar mehr gemocht, aber ich mag es immer noch. Großes Kino im Kopf, große Gefühle ... Frage: Klingt wie Pop ... nicht gerade die beste Empfehlung, um unter Gleichaltrigen Kredit zu kriegen. Tom Albrecht: Ja, meine Leute haben wirklich gesagt, das klingt wie ja Pop - und das war es auch. Aber ich habe nichts dagegen, dass es so wahrgenommen wird. Im Gegenteil. Frage: Im Gegenteil? Tom Albrecht: Richtig. Es ist wahnsinnig schwer, echte Gefühle rüberzubringen. Und diese HipHop-Posen, die liegen mir einfach nicht. Frage: Eminem wäre also nicht Dein Fall. Tom Albrecht: Doch, dem kaufe ich das ab. Er weiß, wovon er singt. Frage: Seine mackerige Art - ist schon sehr cool. Tom Albrecht: Nee, ist nicht mein Ding. Obwohl, manchmal finde ich diese "Wer ist der Stärkste"-Spielchen wichtig. Ansonsten bin ich eher leise ... Frage: ... und schüchtern? Tom Albrecht: Ja, wirklich, das ist vielleicht meine Art, wie man sie empfindet, wenn man mich nicht kennt. Ich würde eher sagen: Ich mache viel mit mir selbst aus. Ich finde mich nicht sehr äußerlich. Und was soll's, ich bin in einem Dorf zwischen Düsseldorf und Wuppertal aufgewachsen - und nicht in einem Ghetto. Das mag ich auch an den Fantastischen Vier. Die tun auch nicht so, als wären sie was anderes als Stuttgarter Jungs, die ihren Spaß haben wollen. Frage: Und nun lebst Du in Berlin? Tom Albrecht: Nein, ich bleibe in meinem Dorf. Ich mag Berlin inzwischen auch sehr, aber ich weiß, wo meine Wurzeln liegen. Ich will mir einfach die Freiheit nicht nehmen lassen, wie früher nachts mit dem Auto auf die Felder zu fahren - und über mir nichts als Himmel. Frage: Was geht Dir dann durch den Kopf? Tom Albrecht: Alles. Immer wieder alles. Was früher war. Wie es jetzt ist. Und was werden könnte. Frage: Du bist ein sehr freundlicher Mensch. Tom Albrecht: Ist doch kein Fehler, freundlich zu sein, oder? Frage: Nein, das nicht gerade. Aber das will so gar nicht ins Image der zornigen Jugend passen. Tom Albrecht: Das kann ich nicht bedienen. Ich bin eher melancholisch und nachdenklich. Mir ist wenig gleichgültig. Da hat mich mein Elternhaus sehr geprägt. Stehe für das ein, was Dir wichtig ist. Frage: Wann hast Du angefangen, Musik selbst zu machen? Tom Albrecht: Sehr früh. Das war in meinem Elternhaus alles sehr natürlich. Mein Vater, der selbst vom Swing geprägt ist und Jazzsaxofonist ist - und eben nicht vom deutschen Marsch. Ich habe schon als Sechsjähriger Klavierunterricht bekommen. Notenlesen zu lernen war Pflicht, aber lieber mochte ich die Improvisation, das Kreative, das Unbekannte. Meine ersten Songs habe ich mit acht Jahren geschrieben. Frage: Bist Du ein Wunderkind? Tom Albrecht: Nein, nein, überhaupt nicht. Ich will nur sagen, dass mich die Beschäftigung mit Musik nicht angestrengt hat. Meinen Eltern war nur wichtig, dass ich das Abi mache. Frage: Hast Du studiert? Tom Albrecht: Nein, ich habe damit gar nicht erst angefangen. Das Vorgekaue in der Schule, das hing mir schon genug zum Hals raus. Immer wenn es kreativ wurde, war es interessant. Aber das war zu selten. Frage: Du produzierst seit langem die Gerd-Show mit. Wie passt das zu Deinem Anspruch als Singer/Songwriter? Tom Albrecht: Sehr gut. Das sind nur verschiedene Seiten meines Lebens. Das eine ist das Witzige, das andere das ... Frage: ... das Wahre? Tom Albrecht: Nein, ich würde sagen, das Empfindsame. Frage: Lust auf Techno? Tom Albrecht: Nein, gar nicht, überhaupt nicht. Ist mir zu langweilig. Klingt wie Marsch. Hat nichts, was tanzen macht. Techno ist für mich die Musik, die nur mäßig harmonisch den Körper herausfordert. Keine Überraschungen, nirgends. Passt nicht zu mir. Mir fehlt das Kredibile. Ich bin kein Mann, der Musik für Fußballstadien schreibt. Frage: Warum singst Du auf Deutsch? Tom Albrecht: Weil es meine Muttersprache ist. Die, in der mir die meisten Wörter zur Verfügung stehen. Mit der man spielen kann. Und die inspiriert, jeden Tag neu. Frage: Wie würdest Du Dein Lebensgefühl in einem Satz beschreiben? Tom Albrecht: Jeden Tag aufstehen und versuchen, sich selbst glücklich zu machen - dann genügt man sich auch. |
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