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Interview mit Prof. Dr. Ulrich Heininger "Eine Impfung ist wie eine Versicherung!" |
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Frage: Herr
Prof. Heininger, welche Unterschiede gibt es zwischen den
Impfempfehlungen zu Meningokokken C in Deutschland und der
Schweiz?
Prof. Dr. Ulrich Heininger: In Deutschland lautet die Empfehlung, Kinder ab dem ersten Geburtstag zu impfen, um sie möglichst früh zu schützen. Sollte dies zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen sein, empfiehlt die STIKO eine Nachholimpfung vor dem 18. Geburtstag.
Jugendliche, die im Kleinkindalter nicht geimpft wurden, erhalten dann eine einmalige Impfung. Frage: Warum empfiehlt die EKIF eine zweite Impfung zwischen elf und 15 Jahren? Prof. Dr. Ulrich Heininger: Die zweite Impfung ist ein Novum. Die Schweiz ist meines Wissens nach das einzige Land, in dem das so gehandhabt wird. Daten aus Großbritannien legen zwar nahe, dass eine einmalige Impfung ab dem Alter von einem Jahr für mindestens einige Jahre Schutz bietet - für wie lange ist aber noch nicht genau bekannt. Frage: Die STIKO empfiehlt eine Nachholimpfung für Jugendliche vor dem 18. Geburtstag, die bislang jedoch noch zu wenig angenommen wird. Welche Maßnahmen müssten Ihrer Meinung nach ergriffen werden, um das zu ändern? Prof. Dr. Ulrich Heininger: Für die Nachholimpfung gibt es bisher keine Strategie, lediglich den STIKO-Hinweis, diese möglichst beim nächsten Arztbesuch nachzuholen. Für eine systematische Nachimpfung wäre aber eine konzertierte Aktion nötig: Dazu könnte man die lokalen Gesundheitsämter mit entsprechenden Mitteln ausstatten, mit niedergelassenen Ärzten kooperieren und eine Aufklärungskampagne an Schulen starten. Frage: Sehen Sie signifikante Unterschiede zwischen der Impfbereitschaft in Deutschland und der Schweiz? Prof. Dr. Ulrich Heininger: Nein, die Bereitschaft ist in beiden Ländern relativ gut. Der Name Meningokokken (Erklärung bei Wikipedia) wird mit Meningitis (Erklärung bei Wikipedia) assoziiert und trifft deshalb auf offene Ohren bei den Eltern. Meningokokken sind z. B. viel bekannter als Pneumokokken (Erklärung bei Wikipedia) und die MenC-lmpfung wird sogar teilweise besser akzeptiert als die MMR-lmpfung. Frage: Sie haben sich in klinischen Studien und in verschiedenen Gremien intensiv mit der Meningokokken-lmpfung beschäftigt. Mit welchen Argumenten begegnen Sie Impfkritikern? Prof. Dr. Ulrich Heininger: Impfungen sind wie eine Versicherung. Wer nicht geimpft ist, muss noch lange keinen Schaden erleiden. Das ist genauso wie wenn man ohne Helm Fahrrad fährt oder im Auto den Sicherheitsgurt nicht anlegt. Meningokokken sind zwar selten, das zählt aber nur für denjenigen, den es nicht trifft. Häufig hört man auch, dass Kinder nach Krankheiten angeblich einen Entwicklungsschub bekommen. Bei Meningokokken C trifft das nicht zu. Die Erkrankung ist schwerwiegend und komplikationsträchtig. Die Sterblichkeit liegt bei bis zu zehn Prozent, bleibende Schäden treten in 15 Prozent der Fälle auf. Außerdem: Ein Impfstoff würde nicht zugelassen wenn der Nutzen das Risiko nicht klar überwiegen würde. Frage: Sie sind Mitbegründer des ImpfInformationssystems INFOVAC in der Schweiz. Was beinhaltet dieses System und wie sind Ihre Erfahrungen damit? Prof. Dr. Ulrich Heininger: INFOVAC stellt Ärzten und Apothekern zeitnahe, begründete und kommentierte Informationen zur Verfügung. Impfexperten greifen aktuelle Meldungen innerhalb weniger Stunden auf und informieren die Abonnenten per E-Mail. Zudem gehen bei INFOVAC 50 bis 100 Fragen pro Woche ein, die innerhalb von 24 Stunden von einem Experten beantwortet werden. Das System ist so erfolgreich, dass es mittlerweile in andere Länder wie Frankreich, Ungarn und Marokko exportiert wurde. Frage: Könnten Sie sich ein ähnliches ImpfInformationssystem auch für Deutschland vorstellen? Prof. Dr. Ulrich Heininger: Prinzipiell kann ich mir das vorstellen und würde es sehr begrüßen. Wenn es allerdings ähnlich gut angenommen wird wie in der Schweiz, dann gehen pro Woche wohl 500 bis 1.000 Fragen ein. Diese zu bearbeiten, ist vor allem ein Kapazitätsproblem. September 2008. Quelle: Baxter Deutschland. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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