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Interview mit Ute Wieland "Ich hatte selten so viel Freude an der Arbeit wie hier." |
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Frage: Wie weit war das Projekt, als Sie
dazukamen?
Ute Wieland: Als Uli Limmer mich ansprach, existierte das Drehbuch und war schon in einer sehr fortgeschrittenen Form. Die Autorin Maggie Peren und ich haben schon länger versucht, einen gemeinsamen Stoff zu finden; ich kenne sie sehr gut und wusste daher, dass es mit Sicherheit unterhaltsam und gut geschrieben sein würde. Ich habe sofort gesagt: Ich möchte es machen!
Ute Wieland: Es gibt schon Unterschiede; für mich ist es nicht zuletzt eine Sache der Bildsprache. Ich beobachte, dass viele Regisseure gar nichts mit der Größe der Leinwand anfangen können. Dabei muss man sich viel genauer überlegen, was im Bild zu sehen ist, wenn es eben nicht nur ein paar Zentimeter Durchmesser hat wie auf dem Fernseher. Und von der Produktion her unterscheiden sich die beiden Bereiche ganz klar dadurch, dass man bei einem Kinofilm mehr Zeit hat; das heißt, man kann und muss auch sehr viel sorgfältiger arbeiten. Auch in der Postproduktion ist der Zeitplan vom Aufwand her ein ganz anderer. ?Freche Mädchen? war ein Jahr Arbeit; das wäre beim Fernsehen gar nicht finanzierbar. Frage: Hatten Sie damit gerechnet, dass es sich so aufwendig gestalten würde, die richtigen Darstellerinnen zu finden? Ute Wieland: Es stellte sich vor allem als eine Altersfrage heraus. Wir haben versucht, 15-jährige zu besetzen ? auch deshalb, weil ab diesem Alter die Arbeitsschutzbestimmungen etwas lockerer sind als bei jüngeren Kindern. Das war allerdings schwierig, zum Teil wirkten diese Mädchen schon sehr erwachsen. Und bei jüngeren, die wir uns auch angeschaut haben, war es eben das Gegenteil. Viele von denen kamen als zu jung rüber ? man hätte es bei ihnen eher unangenehm empfunden, wenn es um den ersten Kuss geht. Wir waren also sehr eingeschränkt, was das Alter betraf, und dann mussten diejenigen, bei denen es hinkam, ja auch noch spielen können! Und weil es zu allem Überfluss eine Komödie ist, mussten sie außerdem ein Gespür für Timing haben und das Talent, durch geradliniges Spielen Komik zu erzeugen. Schließlich hatte man immer noch die Befürchtung im Hinterkopf ? weil in ein paar Monaten viel passieren kann ?, dass die Darstellerinnen bis zum Drehstart ihren Rollen entwachsen wären ... Frage: War es für Sie eine große Umstellung, mit so vielen jungen Darstellern zu arbeiten? Ute Wieland: Auf jeden Fall ? ich hatte zwar immer mal einen Film, wo ich mit einem oder zwei Kinderdarstellern zu tun hatte, aber noch nie ein Projekt, bei dem ein Großteil des Casts Kinder und Jugendliche sind und die Erwachsenen nur in Neben- oder Tagesrollen dabei sind und im Film mehr als Stichwortgeber dienen. Es war auf jeden Fall eine tolle, bereichernde Erfahrung. Frage: Sind sie dabei in ihrer Funktion als Regisseurin selbst zu einer Art Lehrerfigur geworden? Ute Wieland: Ich kann das selber gar nicht recht beurteilen, ob ich da als Autorität aufgetreten bin. Es war auf jeden Fall eine starke emotionale Beziehung, die da entstand. Die Mädchen haben wirklich für die Sache gebrannt, es war so eine starke Energie ...! Ich hatte selten so viel Freude an der Arbeit wie hier. Frage: Die Erwachsenendarsteller anscheinend auch: So sehr, wie zum Beispiel Armin Rohde in seiner Rolle als Rumpelstilzchen aufgeht, scheint er sein ganzes Berufsleben darauf gewartet zu haben, einmal einen Mathelehrer in einem abgegriffenen Cordanzug zu spielen ...? Ute Wieland: Bei Armin Rohde kam, glaube ich, noch hinzu, dass es für ihn eine späte Rache an einem bestimmten Lehrer war, den er in der Schule hatte erdulden müssen. Da platzte regelrecht ein Ventil. Das konnte ich gut nachvollziehen, denn ich hatte zum Teil auch so schräge Vögel ? bei mir waren es der Deutschlehrer oder auch ein paar der Naturwissenschaftler. Die Älteren fielen mehr in die Kategorie skurril; von uns Mädchen angeschwärmt wurden damals die Junglehrer ... Frage: Sehen Sie diese Kontinuität über die Generationen auch bei den heutigen Jugendlichen? Ute Wieland: Eindeutig ja, zumal ich mich noch gut daran erinnere, wie ich mit 14 war. Ich merke es bei meinen Nichten und Neffen im Teenie-Alter: Es ändern sich Moden, es ändern sich Details, aber grundsätzlich hat sich da nicht viel geändert ? die Gefühlswelt, die Träume, wie man miteinander umgeht ... Wie das Phänomen, dass die gleichaltrigen Jungs immer den kürzeren ziehen, weil die Mädchen nach den älteren Jungs schielen, wie im Film der Brian, der ja wohl schon ein paar Ehrenrunden gedreht hat ? und natürlich sind die Jungs mit Bands sowieso die Coolsten. Das war auch damals schon so. |
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