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Interview mit Verena Rabe "Meine Romanfiguren warten an der Treppe auf mich ..." |
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Frage: Frau
Rabe, wie muss man sich den Writers' Room vorstellen?
Verena Rabe: Als Großraumbüro ohne Trennwände. Es gibt zehn Computerarbeitsplätze mit Internetanschluss. Wir haben jegliche Dekoration aus dem Writers' Room verbannt. Die Einrichtung ist schlicht, alles überwiegend in Grau gehalten. Nur mein Apple-Laptop bildet einen blauen Farbklecks.
Frage: Das klingt nicht unbedingt nach einem inspirierenden Ambiente? Verena Rabe: Schon allein das Umfeld ist inspirierend. Auf Initiative der Hamburger Kulturbehörde entstanden in dem Gebäude neben dem Writers' Room zahlreiche Ateliers für Bildende Künstler. Und die Schlichtheit des Raumes fördert die Kreativität. Die Atmosphäre ist sehr familiär. Mittlerweile erkenne ich schon am Drehen des Schlüssels, wer den Raum betritt. Einige kommen nur zum Schreiben, andere suchen den Austausch. Manchmal werden die Pausen länger ausgedehnt, weil man sich in der Küche trifft, viel lacht, sich Geschichten erzählt oder auch mal über den Literaturbetrieb schimpft. Im Raum selbst hört man nur das Klackern der Tasten, die Computer brummen. Und um 12.00 Uhr hören wir das Mittagsläuten der nahe gelegenen Kirche. Ansonsten ist es still, jeder kann konzentriert arbeiten. Frage: Ihr neuer Roman Ein Lied für die Ewigkeit ist ebenfalls im Writers' Room entstanden. Auch diesmal schicken Sie Ihre Protagonistin auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit - vor dem Hintergrund eines düsteren Kapitels der deutschen Geschichte. Verena Rabe: Das Dritte Reich war schon der Schwerpunkt während meines Geschichtsstudiums. In meinem Debüt "Thereses Geheimnis" erinnert sich die Protagonistin an die Bombenangriffe im Sommer 1943 in Hamburg, in Ein Lied für die Ewigkeit bilden die Olympiade 1936 und die Judenverfolgung den historischen Hintergrund. Vielleicht schreibe ich gegen das Vergessen an. Ich weiß, dass gerade traumatisierte Menschen oft ein Leben lang damit zu tun haben, sich vor ihrer eigenen Vergangenheit zu schützen. Und wenn sie die Vergangenheit dann einholt, ist das schmerzhaft, aber auch befreiend. Weil sich dadurch die Möglichkeit ergeben kann - wie bei John und Elisabeth - ein ganz neues Leben zu beginnen und die Chance zum Glück noch einmal zu nutzen. Frage: In beiden Romanen ist es die Begegnung mit einer deutlich jüngeren Frau, die der Protagonistin letztendlich dabei hilft, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten? Verena Rabe: Es geht mir dabei vor allem darum, dass sich zwei Menschen begegnen, die voneinander lernen können. Die junge Musikerin Katja profitiert von Elisabeths Lebenserfahrung. Die Begegnung der beiden Frauen führt dazu, dass Katja ihr eigenes Leben neu überdenkt. Aber auch Elisabeth lernt von Katja: Katjas Generation, also die der Enkel, kann der Älteren dabei helfen, die Vergangenheit ehrlicher und ohne Scheu aufzuarbeiten, weil wir heute eine gewisse Distanz zu den Ereignissen des Dritten Reiches haben. Frage: In Ein Lied für die Ewigkeit schwingt viel Liebe zui Musik mit, wenn sie die Sängerin Elisabeth, ihre Schülerin Katja oder den Komponisten Chaim beschreiben. Verena Rabe: Schon immer hat Musik eine große Rolle für mich gespielt Nahezu jede besondere Begebenheit in meinem Leben verbinde ich mit einem bestimmten Musikstück. Ich liebe klassische Musik, vor allem Bach und die Romantiker. Aber auch Jazz, derzeit besonders die norwegische Sängerin Rebekka Bakken. Auch beim Schreiben hilft mir die Musik: Konzertbesuche inspirieren mich und geben mir neue Impulse beim Konzipieren einer Geschichte. Wie meiner Protagonisten Chaim bringt auch mich die Musik dazu, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Frage: Inzwischen arbeiten Sie an ihrem dritten Roman Schreiben Sie wieder im Writers' Room oder zuhause - bei Jazz oder Klassik? Verena Rabe: Auf jeden Fall im Writers' Room! Wenn ich ein paar Tagt nicht dort war, fange ich an, richtig unruhig zu werden. Ich vermisse den Raum, weil ich dort meine Geschichten am Besten weiterentwickeln kann. Schon die 15 Kilometer, die ich mit dem Auto zum Writers' Room fahren muss, geben mir die Möglichkeit, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Wenn ich während einer intensiven Schreibphase in Bahrenfeld ankomme, warten meine Romanfiguren oft schon an de Treppe auf mich. Im Writers' Room finden Schriftsteller die Möglichkeit, während des Schreibens aus der Isolation hinauszutreten, ohne sich vereinnahmen zu lassen oder ihre Individualität zu verlieren. Es müsste viel mehr Räume dieser Art geben! |
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