Interview mit Verona Feldbusch
"Den Slogan 'Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt' finde ich genial."
Frage: Die Sendung heißt Einfach Verona!. Was ist "einfach" oder "typisch" Verona?

Verona Feldbusch: Einfach ist besser als kompliziert, das ist wahrscheinlich gemeint oder auch so was wie ?Einfach gut, einfach Verona". Wir wollen einen ganz normalen Talk zwischen zwei Personen aufbauen, also zwischen der Moderatorin - mir - und dem Befragten - dem Gast - ohne viel Komplikationen, ohne große Grammatik einfach das fragen, was einem in den Sinn kommt.

Frage: Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?

Verona Feldbusch: Das ist streng geheim. Ich liebe es, ins kalte Wasser zu springen - was nicht für meinen Vertrag mit Sat.1 gilt. Ich möchte immer Verträge machen, zu denen ich auch über einen längeren Zeitraum stehe.

Es ist mir wichtig, dass sich meine Geschäftspartner auf mich verlassen können. Ich will nicht einfach sagen ,0h, super, 'ne Sendung. Warum nicht?' Ich liebe Stress, aber ich habe bewusst lange keine eigene Sendung moderiert, weil ich immer auf dieses innere Gefühl gewartet habe und jetzt ist es so weit.

Sobald ich mein Team kennen gelernt habe, geht's los. Ich möchte, dass alle ihre Kreativität voll einbringen. Den Rest versuche ich spontan zu regeln. Das macht die Mischung aus: Auf der einen Seite ist meine Vorbereitung sehr genau, auf der anderen Seite frage ich oft: Wer kommt jetzt eigentlich als Gast? Wie wird sein Name richtig ausgesprochen? Und dann fange ich an.

Frage: Welche Erfahrungen haben Sie aus den Moderationen von ?Peep" und ?Veronas Welt"?

Verona Feldbusch: Ich bezeichne mich inzwischen selbst als Moderatorin. Damals bei 'Peep' - das ist ja nun schon ein paar Jahre her - hat man mir auf meine Super- Moderationskarten geschrieben: 'Herzlich willkommen bei "Peep". Ich begrüße eine junge Kollegin', die Moderatorin war. Aber ich hatte den Begriff Moderatorin für mich noch nicht ganz akzeptiert und habe gedacht ?Das kannst Du so nicht sagen." Schließlich bin ich da ja nur so reingestolpert.

Heute finde ich die Kamera auf Anhieb. Und man kann mich auch nicht mehr so parodieren wie Esther Schweins es damals bei ?Samstag Nacht" gut und sehr treffend gemacht hat. Die extrem hohe Stimme, die Fußstapfen, die zum Stuhl führen, das habe ich jetzt alles im Griff.

Ich finde den Stuhl, ich weiß, was das rote Licht bedeutet und ich kann auch zur Not einen Namen von der Pappe ablesen, ich kann ja lesen und schreiben, wenn auch nicht perfekt.

Frage: Ich habe gehört, Ihr Vorbild ist Pippi Langstrumpf. Sind Sie die moderne Pippi Langstrumpf?

Verona Feldbusch: Also, wenn das einer sagen würde, würde ich sagen, vielen Dank für das Kompliment. Sie hat für mich nur positive Eigenschaften - wie die meisten Cartoon- oder Märchenhelden. Cartoon-Figuren sind in erster Linie für Kinder kreiert worden. Das ist mir sehr sympathisch.

Den Slogan ?Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt" finde ich genial. Wenn ich mal Kinder haben werde, werde ich denen auch sagen, man muss nicht immer nur alles nach Richtlinien machen, wie andere sich das vorstellen, man kann sich auch selbst etwas kreieren.

Frage: Sie treffen in Ihrer Sendung nicht nur Promis, sondern auch ?normale" Leute. Was prädestiniert Sie dafür, mit beiden gute Gespräche führen zu können?

Verona Feldbusch: Ich bin auch beides. Auf der einen Seite bin ich prominent, auf der anderen Seite bin ich einfach Verona Feldbusch. Ich habe kein Abitur, keine abgeschlossene Lehre, aber ich habe Erfolg mit dem, was ich mache. Und das hat mich prominent gemacht.

Frage: Sie besuchen unter anderem Finanzminister Hans Eichel. Werden Sie sich bei ihm Tipps für Ihre politische Karriere holen?

Verona Feldbusch: Also, erstmal finde ich es ganz niedlich, dass er schon ungeduldig Pressemitteilungen zu meinem Besuch herausgegeben hat. Er scheint sich wirklich schon zu freuen.

So ein Gespräch mit einem bekannten Politiker sehe ich mit zwei Augen - was für ein schlauer Satz - nein, ich meine, ich seh' das aus zwei verschiedenen Perspektiven. Als Moderatorin möchte ich auch zeigen, dass Herr Eichel viel Humor hat und wie sein Privatleben aussieht.

Normalerweise kriegen die ja ein Mikro fast in den Mund gesteckt und werden so was gefragt wie: 'Was macht die Steuersenkung?' Er soll auch sagen können: 'Ich interessiere mich für Mode', 'Ich habe eine Familie und mache mir Gedanken um meine Zukunft' und so.

Auf der anderen Seite fühle ich mich natürlich sehr geehrt, wenn man mich so ernst nimmt. Was meine Pläne, mich politisch zu engagieren, angeht, möchte ich konkrete Dinge, die ich mir ausgedacht habe, auch umsetzen. Davon hält mich keiner ab. Das betrifft in erster Linie sozial Schwache und Kinder.

Durch diese verrückte Showbranche habe ich in meinem Leben viel bekommen und davon will ich was zurückgeben. Und ich denke, dass die Showbranche und die Politiker eigentlich gut Hand in Hand arbeiten können.

Frage: Es gibt einen Spruch ?Macht macht sexy". Finden Sie einen Politiker wie Hans Eichel sexy?

Verona Feldbusch: Der Spruch war mir eigentlich schon immer unsympathisch, ein typischer Männerspruch. Männer waren meistens mächtiger als Frauen im Berufsleben - aber das hat sich ja zum Glück geändert. Und plötzlich waren ganz unattraktive Männer sexy.

Aber Macht kann Menschen auch Angst machen. Das kann so weit gehen, dass Menschen nicht mehr 100 Prozent ihre Meinung sagen, weil sie Angst haben, zum Beispiel um ihren Job. Ich hoffe, bei den Leuten um mich herum ist das nicht so. Diese Art von Macht möchte ich nicht besitzen.

Frage: Gibt es einen Wunsch-Promi für Ihre Sendung?

Verona Feldbusch: Da gibt es viele. Ich habe mich zum Glück über die ganzen Jahre nicht mit vielen Leuten gestritten - mir fallen auf Anhieb nur zwei ein: Dieter Bohlen und Alice Schwarzer. Aber von mir aus könnten sie beide zusammen in die Sendung kommen - und Naddelchen gleich mitbringen.

Nadja, die ich immer gern Naddeichen nenne, das ist nicht böse gemeint, ist ganz harmlos und versucht, irgendwas aus ihrem Leben zu machen, wer soll ihr das übel nehmen.

Dieter Bohlen und ich kennen uns so gut, da würde ruckzuck eine Eigendynamik in dieses Gespräch kommen, das wär' schon interessant. Aber ich würde mir dafür kein Bein ausreißen.

Bei Frau Schwarzer ist es so: Sie hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und mich auf einem niedrigen Niveau beleidigt. Schon ein bisschen enttäuschend für jemanden, der ein Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Trotzdem will ich sie auf eine Art und Weise schon ernst nehmen und bin nicht nachtragend.

Ich erwarte sowieso von keinem Menschen eine Entschuldigung, außer von den Menschen, die mir sehr, sehr nahe sind. Alle anderen müssen sich bei mir grundsätzlich nicht entschuldigen. Also: Ein Gespräch mit ihr - jederzeit.

Frage: Frau Schwarzer hat sich große Sorgen um Ihre Zukunft gemacht. Welche Vorstellung haben selbst davon, was Sie in 30 Jahren machen?

Verona Feldbusch: Da hat sie sich wirklich ganz toll ausgedrückt mit 'Tarnkappe überziehen' und 'in die Elbe springen'. Was soll das bedeuten? Eine starke Andeutung auf Selbstmord? Eine absolute Quatsch-Vorstellung! Ich freue mich über meine 90-60-90, die ja einfach da sind oder die über Nacht noch ein bisschen nachgewachsen sind - das werden wir nie so richtig erfahren.

Aber die Maße sind nur eine optische Tatsache und bewegen nicht mein ganzes Leben. Auch ohne diese Voraussetzungen, das behaupte ich mal ganz frech, hätte ich Karriere gemacht. Jemand wie Danny DeVito zum Beispiel, der nicht dem heutigen Schönheitsideal entspricht, hat viel Charme. Dirk Bach finde ich so niedlich, dass ich ihn jedes Mal abknutschen könnte. Hella von Sinnen ist 'ne Powerfrau, die geht vorwärts, die hat Humor, und die hat schon immer gesagt, was sie denkt und hat auch nicht unbedingt 90-60-90 vorzuweisen.

Wichtig ist, dass ich den Kopf habe, den ich habe, und dass ich meine Meinung sage. Deswegen ist das auch falsch, was Alice Schwarzer sagt. Ich hatte mal einen Autounfall, bei dem ich mir zwei mal meine Wirbelsäule gebrochen habe. Damals war ich 'Miss Germany', bekam meine erste goldene Platte und habe in einer Diskothek gearbeitet, in einer Bücherfabrik Bücher eingeschweißt, weil ich unbedingt nach Portugal in Urlaub wollte.

Ich hatte fünf Jobs, ging auf jede Party - und plötzlich lag ich ein dreiviertel Jahr im Krankenhaus. Mein Leben ging von 100 auf Null zurück. Es sah so aus, als ob ich nie wieder laufen könnte. Ich war sicher schockiert, aber ich habe nicht gedacht, oh Gott, jetzt ist mein Leben ruiniert, sondern ich habe eigentlich sofort darüber nachgedacht, wie es weitergeht. Ich dachte: ?Dann schreib ich eben Kinderbücher oder so."

Frage: Sie haben erzählt, dass Ihr Freund sich oft denkt, wie schafft sie das eigentlich nur. Ich denke, vielen Leuten geht das so, die Sie so sehen. Wie stehen Sie das alles durch, wie stecken Sie den Stress weg?

Verona Feldbusch: Ich glaube, das ist reiner Zufall, dass ich das kann. Wie Leute, die gern Marathon laufen und noch mit 40 Grad Fieber um den Block rennen. Alle anderen fragen dann: 'Warum tust du das?'

Stress fehlt mir richtig, ich kann nicht eine Woche darauf verzichten. In meinem Bereich bin ich so eine Art Leistungssportler. Auf mich wartet nie Routine, es wird nie langweilig, davon habe ich mein ganzes Leben lang geträumt: Aufregende Leute, tolle Termine, von A nach B fliegen, die Welt anschauen und da sitz ich oft im Flieger und denke mir: ,Mann, habe ich Glück gehabt' und dann freu ich mich.

Mein eigentlicher Tag fängt früh an, zu früh für mich als Langschläferin, und geht bis ungefähr 20 Uhr. Dann bin ich total schlapp. Danach werde ich zwei Stunden etwas ruhiger. Wenn das vorbei ist, fängt für mich automatisch ein neuer, ein zweiter Tag an. In dem Moment bin ich wieder genauso wach wie jetzt und fange an, zu arbeiten, aufzuräumen, Leute anzurufen, irgendwas zu schreiben.

Und dann ärgere ich mich, dass die meisten Leute dann nicht mehr im Büro sitzen und ich sie nicht mehr erreichen kann. Jeder Tag hat für mich praktisch zwei Tage in einem, nett, oder? Zwei in einem ... hmmm ... jetzt krieg' ich bestimmt 'nen Vertrag von ?Nimm zwei" (lacht).

Verona Feldbusch Pooth. Foto: Dirk Jasper

Von ihrem Bekanntheitsgrad träumt so mancher Spitzenpolitiker. Von ihrer Figur so mancher Mann und so manche Frau. Im Interview spricht Verona Feldbusch über ihre neue Show Einfach Verona!, ihre politischen Pläne, über Dieter Bohlen, über ?Naddeichen" und über ihr Vorbild Pippi Langstrumpf.

Das passt wie angegossen: Exklusiv in Sat.1 meldet sich Kultstar Verona Feldbusch (33) in der Arena der TV-Moderatoren zurück. Das Konzept ihrer neuen Show ist so maßgeschneidert und bunt wie ihr selbst designtes Sat.1-Kleid: Verona Feldbusch trifft prominente wie nicht prominente Gesprächspartner in den verschiedensten Städten und Lebenslagen, von Hamburg bis Hollywood.

Ihren Gästen - allesamt Menschen, die ein rasantes und interessantes Leben führen - will die charmante Powerfrau auf ihre unnachahmliche Art so manches Geheimnis entlocken. Und wer würde daran zweifeln, dass ihr das gelingt. Denn: Diese Frau ist einfach einmalig, Einfach Verona!

Das Gespräch führte Jörg Kanzler.

Pressefolder zu 'Einfach Verona'

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