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Interview mit Wladimir Klitschko "Die Rache des Bruders!" |
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Interview aus Anlass der
WBO-Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Wladimir Klitschko
und Chris Byrd am 14. Oktober 2000 um 22.15 Uhr auf
Sat.1.
Wladimir Klitschko: Die Geschichte, die am 1. April passiert ist, liegt in meiner Seele und in meinem Herzen ganz tief. Er hat Vitali nicht verprügelt, sonst wäre ich sofort in den Ring gestiegen und hätte gegen ihn gekämpft. Vitali war verletzt und musste den Titel abgeben. Das Ganze hat so ausgesehen, dass Herr Byrd von 'zero to hero' kam. Mir ist es lieber, wenn es jetzt umgekehrt läuft, dass er von 'hero to zero' kommt. Es gibt zwei Gründe, weshalb dieser Fight etwas Besonderes ist: 1. Der Gegner hat gegen meinen Bruder gekämpft. Es ist schon etwas sehr Persönliches, weil es auch um meine Familie geht. 2. Es ist mein erster WM-Kampf und somit entscheidend für meine sportliche Zukunft. Das Wichtigste ist, dass ich diesen gewinne. Alles, was ich im Boxen gelernt habe, muss ich in diesem Kampf nutzen. Das ist eine schwierige Aufgabe, denn ich habe schon Negatives und Positives erlebt. Im Sport ist es wichtig, solche Erfahrungen zu sammeln. Aber ich bin gewappnet! Frage: Sie waren im April beim Kampf am Ring, haben gesehen, welch unbequemer Boxer Byrd ist. Mit welcher taktischen Maßgabe gehen sie an den Fight heran? Hat ihnen Ihr Bruder auch Tipps gegeben, wie sie sich verhalten sollen? Wladimir Klitschko: Vitali gibt mir viele Tipps, aber ich habe auch selbst gesehen, wie man gegen ihn boxen muss. Egal, wie unbequem der Gegner ist, man kann einen Schlüssel finden und es so machen, dass er bequem wird. Außerdem werde ich mich umstellen müssen. Frage: Wird ihr Bruder beim Kampf dabei sein? Wladimir Klitschko: Natürlich ist Vitali am 14. Oktober am Ring. Frage: Der Fight wird auch vom US-Fernsehen übertragen. Von den US-Medien schlug Ihnen beiden nach der Niederlage von Vitali heftige Kritik entgegen. Als "Weichei" wurde Ihr Bruder bezeichnet. Außerdem sei er überbewertet gewesen und sie wären aus dem gleichen Material. Motivieren sie solche Tiefschläge zusätzlich nach dem Motto "Den Amis zeige ich es jetzt erst recht"? Wladimir Klitschko: Die haben einen Riesen-Wirbel gemacht nach dem Kampf am 1. April. Das ist aber überhaupt nicht schlecht, wenn die nicht so toll über uns reden. Und wenn die sagen, ich bin vom gleichen Material wie mein Bruder, wäre das ein Kompliment für mich, weil es das Schönste ist, was es gibt. Die haben mich damit nicht beleidigt, ich bedanke mich dafür. 27 Kämpfe, 27 K.o.-Siege - aus dem gleichen Material zu sein, ist, glaube ich, ein Kompliment. Am 14. Oktober werden wir ein großes Stück weiter sein. Ende gut, alles gut! Frage: Wie sieht Ihr Vorbereitungsprogramm aus? Bleiben sie die ganze Zeit in Hamburg? Wladimir Klitschko: Ja, denn ich lebe in der schönsten Stadt Deutschlands: in Hamburg. Ich fühle mich wirklich sehr wohl hier, weil das Wetter für das Training perfekt ist. Es ist nicht zu heiß und auch nicht zu kalt. Frage: Wie sieht ein Trainingstag aus? Wladimir Klitschko: Genauso, wie er vor drei oder vier Jahren ausgesehen hat. Man muss immer zur selben Zeit essen, zur selben Zeit zu Bett gehen. Ich stehe um 7.30 Uhr auf, mache zwei Stunden Training bis um 10.00 Uhr, dann Mittagessen. Es gibt ein spezielles griechisches Restaurant, in dem wir oft und viel essen. Wir kennen die Speisekarte schon in- und auswendig. Ab und zu kocht auch Vitalis Frau, das schmeckt auch sehr gut. Nachmittags trainiere ich dann von 17.00 bis 19.00 Uhr. Frage: Chris Byrd hat geäußert, er halte Ihren Bruder Vitali für stärker als sie. Axel Schulz oder auch Ihr Bruder selbst haben gesagt, sie seien der Bessere der beiden Klitschkos. Wie ist ihre Meinung? Wladimir Klitschko: Immer kommen verschiedene Sprüche. Im Kampf wird man schon sehen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Frage: Ihre Prognose für den Kampf? Wladimir Klitschko: Mein Ziel ist es, dass ich als Sieger, als Weltmeister aus dem Ring gehe. In welcher Runde das passiert, kann man nicht sagen. Jeder Boxer konzentriert sich darauf, dass er einen deutlichen Sieg hat. Ein KO ist einfach der deutlichste Sieg. Wenn es früh passiert, habe ich nichts dagegen. Wenn es später passiert, sieht das Publikum mehr Runden. Frage: Wie geht es danach weiter? Denken sie schon an einen Vereinigungskampf gegen Lennox Lewis oder Evander Holyfield? Wladimir Klitschko: Im Prinzip ist geplant, dass ich im März einen WM-Kampf gegen Lennox Lewis bestreite. Aber Lewis muss erst seinen Titel gegen David Tua verteidigen. Ich muss auch erst am 14. Oktober als Sieger aus dem Ring steigen. Frage: Bei Mike Tyson ist nicht klar, ob er noch in diesem Jahr oder erst in 2001 wieder in den Ring steigt. Was halten sie von diesem Gegner? Wladimir Klitschko: Perfekter Gegner! Tyson, Holyfield, Lewis - gegen einen von diesen dreien zu kämpfen, wäre schon stark. Frage: Wenn Sie die Wahl hätten - Lewis oder Tyson? Wladimir Klitschko: Ehrlich? Tyson. Frage: Zu Ihrem Privatleben: Ihr Bruder Vitali ist vor kurzem Vater geworden. Verspüren sie auch den Wunsch, bald eine Familie zu gründen? Wladimir Klitschko: Ich spiele mit dem Kind von Vitali und habe auch den Wunsch, selber ein Kind zu haben. Es gibt aber noch keine Mutter dazu. Aber irgendwann. Ich kann das nicht planen. Das alles kommt von allein. Ich schaue mal. Frage: Sie kommen bei Frauen unheimlich gut an. Körbeweise geht die Fanpost ein, einige weibliche Verehrerinnen sollen ihnen sogar schon Dessous geschickt haben. Wie sieht es denn tatsächlich aus? Wladimir Klitschko: Wir haben schon verschiedene Geschenke bekommen. Videos, selbstgebackenen Kuchen und auch schon Dessous. Es ist schon sehr interessant, wenn du verschiedene Bilder siehst und die Briefe liest. Frage: Gibt es einen deutschen weiblichen Star, eine Schauspielerin, Sängerin etc., die sie toll finden? Wladimir Klitschko: Es gibt verschiedene Moderatorinnen und Schauspielerinnen, die gut spielen oder lustig sind. Außerdem gibt es so viele tolle Frauen. Ich möchte keine beleidigen, über die ich nichts sage. Von jeder gefällt mir ein Teil. Aber nicht alles. Ich habe schon so einen anspruchsvollen Geschmack. Frage: Seit dem letzten Jahr schwimmen sie und ihr Bruder auf einer großen Popularitätswelle. Sie waren Gäste bei "Wetten, dass ...", werden von der Kanzler-Gattin zu einem Benefiz-Fest eingeladen, kurz: Alle reißen sich um sie beide. Wie gehen sie mit dem Ruhm um? Wladimir Klitschko: Das merke ich gar nicht so. Wahrscheinlich, weil ich gar keine Zeit dafür habe. In den letzten 3 1/2 Jahren habe ich 35 Profikämpfe gemacht. Das heißt, ich habe mich fast jeden Monat auf einen Kampf vorbereitet. Deshalb habe ich kaum Freizeit. Die Shows, die wir gemacht haben, haben wir nie selbst gesehen. Ich kann nicht sagen, dass man das genießen kann. Das ist ein Job und dann macht man das. Natürlich bedanke ich mich dabei beim Publikum. Jeder Sportler ist ein Künstler - ich sage, dass ich ein Künstler bin. Er schenkt den Kampf dem Publikum. Wenn das Publikum nicht dableibt, wird er auch nicht kämpfen. Frage: Gibt es ein Event, wo sie sagen: Da möchte ich mal eingeladen werden? Wladimir Klitschko: Es gibt verschiedene Events. Ich bin beim Musik Award in Monaco gewesen, wo ich einen Preis für den besten Pop-Artist, übrigens eine Russin, übergeben habe. Es war schon interessant, die Show zu sehen. Im Dezember läuft in Deutschland eine Show, auf der verschiedene Leute wie Musiker, Sportler etc., zeigen, was sie können. Ich habe sie zwar noch nie gesehen, nur davon gehört. 'Stars in der Manege' heißt sie. Vitali und ich haben eine Einladung bekommen und werden da auftreten. Darauf freue ich mich schon sehr. Frage: Ihr Bruder Vitali hat Anfang des Jahres seinen Doktor gemacht. Wie läuft ihre Promotion? Wladimir Klitschko: Gegen Ende des Jahres werde ich die erste Prüfung machen. Die Hauptprüfung, die erste und schwierigste. Und nach dem Kampf im März mache ich meinen Doktortitel. Frage: Ihr Wunsch für die Zukunft? Wladimir Klitschko: Ich habe mehrere Wünsche für die Zukunft. Dass ich Erfolg im Sport habe, Gesundheit und dass es keinen Krieg in der Welt gibt. |
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