Acht Stunden sind kein Tag

Familienserie

"Familienserien sind für ein großes Publikum gedacht; und daran sollte man auch nichts zu ändern versuchen!" sagt Rainer Werner Fassbinder, Autor und Regisseur der fünfteiligen Familienserie "Acht Stunden sind kein Tag", deshalb nannte er diese Miniserie auch "Familienserie in fünf Teilen".
Um eine "schöne populäre Art" müht er sich und nimmt die Unterhaltungbedürfnisse des Publikums ernst - gerade weil in dieser Familienserie so einiges anders ist als bei früheren Exemplaren dieses Genres.

Die Figuren sind nicht Bürger einer oberflächlichen, heilen Welt, sondern Menschen, die über gesellschaftliche Zwänge nachdenken, die sich den Problemen ihrer beruflichen und privaten Sphäre bewußt stellen und sich endlich aus eigener Kraft um eine Lösung bemühen.

Die WDR-Produktion kostete damals umgerechnet über 700.000 Euro. Gedreht wurden 105 Tage lang von April bis August 1972 in einer Fabrik bei Mönchengladbach.


Episode 1: Jochen und Marion Erstsendung D: 29. Oktober 1972 (ARD). Laufzeit: 100 Minuten.

Jochens Arbeitsgruppe - sie sind Werkzeugmacher - steht unter Druck: In 17 Wochen sollen vier Vorrichtungen fertig sein, aber obwohl sich alle Mühe geben, sieht es nicht so aus, als ob sie es schaffen würden.

In dieser verfahrenen Situation macht Jochen einen Verbesserungsvorschlag: Durch eine konstruktive Änderung wird der Arbeitsvorgang entschieden vereinfacht und anstatt der veranschlagten vier Vorrichtungen werden nur noch zwei benötigt.

Jochen bekommt eine Prämie, ein großes Fest wird gefeiert - aber mitten ins große Aufatmen platzt die Nachricht, dass die Betriebsleitung Konsequenzen aus der neuen Situation gezogen hat: Sie streicht die Leistungszulage.


Episode 2: Oma und Gregor Erstsendung D: 17. Dezember 1972 (ARD). Laufzeit: 100 Minuten.

Oma und Gregor suchen eine Wohnung, aber Wohnungen sind teuer. Wenn sie beide ihre Renten zusammen legen, kommen sie auf 1.085 Mark. "Davon wollen wir 20 Prozent für Miete ausgeben" sagen Oma und Gregor, denn so ist der Bundesdurchschnitt.

Aber für 217 Mark finden sie so schnell keine Wohnung, die ihnen gefällt - was sie jedoch finden, sind zahllose Kinder auf der Straße, die Omas und Gregors Meinung nach in einem Kindergarten viel besser aufgehoben wären.

Aber Kindergärten sind offenbar so rar wie Wohnungen. Angesichts einer Filiale der Stadtbücherei, die mangels Nachfrage gerade geräumt wird, hat Oma eine Idee.


Episode 3: Franz und Ernst Erstsendung D: 21. Januar 1973 (ARD). Laufzeit: 90 Minuten.

Nachdem Meister Kretschmer gestorben war, hatte sein bisheriger Stellvertreter, der Vorarbeiter Franz, kommissarisch die Meisterfunktionen in Jochens Gruppe übernommen. Die Gruppe hält es auch für selbstverständlich, dass Franz irgendwann auch formal als Meister bestätigt werden wird.

Aber die Betriebsleitung ist anderer Meinung: sie holt sich einen jungen Mann von draußen: Fremde Besen kehren gut. Franz darf sich den Dank der Firma für seine kommissarische Tätigkeit anhören. Ernst, ein junger Absolvent einer Höheren Technischen Lehranstalt, wird als neuer Meister in sein Amt eingeführt.

Die Gruppe setzt sich zur Wehr - gegen Ernst, für Franz. Aber es zeigt sich, dass sie sich verrechnet hat, was Franz - und was Ernst angeht.


Episode 4: Monika und Harald Erstsendung D: 18. Februar 1973 (ARD). Laufzeit: 89 Minuten.

Werkzeugmacher sind nicht nur Werkzeugmacher, und Arbeiter sind nicht nur Arbeiter. Sie haben außerdem Gefühle, Neigungen, private Bedürfnisse, psychologische Probleme.

Monika möchte gerne wieder arbeiten und sich außerdem von Harald scheiden lassen - aber Harald will weder das eine, noch möchte er Monika die Tochter Sylvia überlassen. Jochen und Marion wollen heiraten - aber da gibt es Marions Mutter, die sich für ihre Tochter einen anderen Mann vorgestellt hat als ausgerechnet einen Arbeiter.

Oma schließlich ist es leid, sich von ihrem Schwiegersohn Wolf ständig tyrannisieren zu lassen - sie zieht aus und beginnt mit ihrem Gregor eine sehr wilde Ehe.


Episode 5: Irmgard und Rolf Erstsendung D: 18. März 1973 (ARD). Laufzeit: 89 Minuten.

Jochens Arbeitsgruppe erfährt, dass eine Verlegung ihres Betriebs geplant ist - irgendwo draußen vor die Stadt. Das bringt eine Reihe von Problemen mit sich: Für die meisten bedeutet das längere Anfahrtszeiten - oder Umzug.

Aus der Diskussion darüber, ob man von der Firma nicht bestimmte Beihilfen und Unterstützungen für solche Fälle fordern kann, entsteht plötzlich eine viel weiter gehende Überlegung: Wenn schon das Haus neu gebaut wird, soll man dann nicht auch darüber nachdenken, was man an den Arbeitsbedingungen selbst verbessern kann? Mehr Freiheit, Unabhängigkeit, Autonomie heißt aber auch Verantwortung, mehr Einsatz, mehr Risiko.

Das lernt die Gruppe freilich erst, als die Betriebsleitung überraschend einem Experiment mit dem Modell zustimmt, das sich die Arbeiter ausgedacht haben.


Darsteller: Gottfried John (Jochen), Hanna Schygulla (Marion), Luise Ullrich (Oma), Werner Finck (Gregor), Anita Bucher (Käthe), Wolfried Lier (Wolf), Christine Oesterlein (Klara), Renate Roland (Monika), Kurt Raab (Harald), Andrea Schober (Sylvia), Thorsten Massinger (Manni), Irm Hermann (Irmgard Erlkönig), Wolfgang Zerlett (Manfred), Wolfgang Schenck (Franz), Herb Andress (Rüdiger), Rudolf Waldemar Brem (Rolf), Hans Hirschmüller (Jürgen), Peter Gauhe (Ernst), Grigorios Karipidis (Giuseppe), Karl Scheydt (Peter), Victor Curland (Meister Kretzschmer), Rainer Hauer (Werkshallenleiter Gross), Margit Carstensen (Hausfrau), Christiane Jannessen (Hausfrau), Doris Mattes (Hausfrau), Gusti Kreissl (Hausfrau), Lilo Pempeit (Hausfrau), Katrin Schaake (Vermieter), Rudolf Lenz (Vermieter), Jörg von Liebenfels (Vermieter)

Gastauftritte: Ulli Lommel, Ruth Drexel, Walter Sedlmayr, Helga Feddersen, Heinz Meier, Karl-Heinz Vosgerau, Peter Chatel, Valeska Gert, Eva Mattes, Marquard Bohm, Klaus Löwitsch, Hannes Gromball, Peter Märthesheimer

Stab:Regie: Rainer Werner Fassbinder • Produzenten: Peter Märthesheimer für WDR Köln • Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder • Musik: Jean Gepoint (= Jens Wilhelm Petersen) • Kamera: Dietrich Lohmann • Ausstattung: Manfred Luetz, Kurt Raab, Gisela Röcken • Schnitt: Marie Anne Gerhardt • Kostüme: - • Make Up: Wolfgang Martin, Rosemarie Schönartz • Ton: Gerhard Trampert •

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