Ein Herz und eine Seele
Satire
Szenenfoto: WDR Er ist der Prototyp des deutschen Spießbürgers. Alfred Tetzlaff alias Heinz Schubert erschütterte vor über 30 Jahren mit seinen reaktionären und ordinären Sprüchen die Fernsehnation. Mit seinem Schwiegersohn Michael, dem "langhaarigen Anarchisten", lag er sich ständig in den Haaren, und seine Frau Else war gut beraten, wenn sie nicht allzuoft ihrem Mann widersprach. Als permanenter Meckerer, Nörgler und Familientyrann sorgte Alfred, das Ekel, für turbulente Unterhaltung auf dem Bildschirm und so manche Schlagzeile in der Presse, denn bei vielen seiner Sprüche blieb einem das Lachen im Halse stecken - auch heute noch!

Ein Herz und eine Seele handelt von der Bochumer Familie Tetzlaff. Im Mittelpunkt der satirischen TV-Serie steht der stets meckernde, reaktionäre Familienvater 'Ekel' Alfred. Die ordinäre Sprache und die manchmal plump-derben Gags brachten dem produzierenden WDR bei der Erstausstrahlung herbe Kritik ein. Doch vermochte es die Serie mit regelmäßigen Wiederholungen im Gespräch zu bleiben, und etwa die Hälfte der gedrehten Folgen ist auch heute noch sehenswert.




Wolfgang Menge Wolfgang Menge, bekannt als Spezialist für anspruchsvolle, kritische und auch provozierende Fernsehunterhaltung, wurde 1924 in Berlin geboren. Zum Drehbuchschreiben kam er über den Journalismus. Nach einem Volontariat arbeitete er in London, Hamburg und ab Mitte der 50er Jahre als Korrespondent für Die Welt in Tokio und Hongkong.

Bereits in dieser Zeit entstanden erste Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen. Seine besondere Begabung, politische Zeitprobleme auf dem Weg spannender Unterhaltung bewusst zu machen, zeigte er u. a. mit dem Fernsehspiel Die Dubrow-Krise, aber auch vorausschauend mit der beklemmenden Fernsehparodie auf die menschenverachtende Sensationsgier der Medien und ihrer Konsumenten in Das Millionenspiel.

Mit seiner Polit-Satire Ein Herz und eine Seele erregte Wolfgang Menge Anfang der 70er Jahre das bisher wohl größte Aufsehen. Die gesellschaftlichen Vorurteile und Stammtischparolen des Spießbürgers Alfred Tetzlaff fanden sehr unterschiedliche Resonanz. Die Wiederholung der Kult-Serie von damals lockt nach 30 Jahren immer noch ein Millionenpublikum vor den Fernsehschirm.

Autor Wolfgang Menge schrieb die Episoden nach der englischen Fernseh-Serie Till Death Us Do Part, die von 1964 bis 1974 von Johnny Speight gemacht wurde - einige Originalfolgen liefen 1969 im WDR 3.

Später versuchte Wolfgang Menge vergebens an den Erfolg der Serie anzuknüpfen: 1993 schuf er mit Motzki das Westberliner Gegenstück zu Ekel Alfred, das nun zeitgemäß auf Ossis und erfolgte Wiedervereinigung schimpft. In Mit einem Bein im Grab mosert sich 1996 wieder Heinz Schubert, diesmal als unzufriedener Rentner, durch 13 Folgen.

1998 ließ Wolfgang Menge dann die nähere Verwandtschaft der Tetzlaffs, Neffe Arnold Tetzlaff und seine geschiedene Ehefrau Edith, in der 12-teiligen Comedy-Serie Das Lied zum Sonntag zu Wort (und Gesang) kommen. Die jeweils 15-minütigen Episoden bestehen hauptsächlich aus Kneipengesprächen während einer Chorproben-Pause und wurden wie Ein Herz und eine Seele vor Live-Publikum aufgezeichnet.

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