Kobra, übernehmen Sie
Peter GravesDer schöne Schauer wunderbarer Kindheitserinnerungen durchrieselt den Körper, wenn man folgende Warnung hört: "Dieses Tonband wird sich in fünf Sekunden selbst zerstören ... Viel Glück, Jim ... Kobra, übernehmen Sie!"

Denn "Kobra, übernehmen Sie", das war die Kultserie der 60er und 70er Jahre. Der Inbegriff packender Action und technischer Finesse, lässiger Coolness und raffinierter Verwandlungskunst.

So wie die Serie zum absoluten Pflichtprogramm des frühen TV-Alltags gehörte, gehorcht auch ihre Dramaturgie einem festen Ritual. Im Mittelpunkt stehen die Abenteuer der "Mission Impossible Force", einer geheimen Kommandoeinheit, die offiziell gar nicht existiert. Sie wird von der US-Regierung mit Aufträgen betraut, die - wie der Originaltitel "Mission: Impossible" impliziert - nach menschlichem Ermessen unmöglich zu bewältigen sind. So warnt die Stimme auf dem Band denn auch: "Sollten Sie oder jemand aus Ihrem Team gefangen oder getötet werden, wird der Minister jegliche Kenntnis von Ihrer Operation abstreiten."

Der Leiter des Teams - zunächst Dan Briggs, ab der zweiten Staffel Jim Phelps - nimmt am Anfang jeder Folge den Einsatzbefehl an einem konspirativen Ort per Tonband (anfangs noch auf Vinyl-Schallplatte) entgegen, stellt das Team zusammen und gibt die Dossiers und den minutiös ausgearbeiteten Einsatzplan an seine Agenten weiter. Dabei erfüllt jeder eine spezifische Funktion: Barney Collier fungiert als der Elektronik-Experte, Willie Armitage setzt Kraft und Körper ein, Rollin Hand ist der Verwandlungskünstler, Cinnamon Carter das schöne, vielseitig talentierte Fotomodell.

Sie kämpfen gegen Drogendealer und Neo-Nazis, Auftragskiller und Söld-ner. Sie sollen kommunistische Regimes schwächen, den drohenden Umsturz in befreundeten Ländern vereiteln oder gegnerische Spione enttarnen. Dafür simuliert das Team auch schon mal ein Erdbeben, stellt einen Atomschlag nach und maskiert sich als Doppelgänger.

Ähnlich wie bei James Bond unterlag mit den realen historischen Ereignissen auch das Feindbild einem Wandel: Bekämpften die Kobra-Agenten zunächst in erster Linie den Kommunismus, nahmen sie mit dem politischen Klimawechsel verstärkt das organisierte Verbrechen ins Visier.

Für Steven Hill, den Darsteller des Dan Briggs, hieß es allerdings schon nach einer Saison: "Mission beendet". Seine Unberechenbarkeit hatte mehrmals den Drehplan durcheinandergewirbelt, so dass er im zweiten Jahr durch Peter Graves ersetzt wurde. Martin Landau und Barbara Bain, im wirklichen Leben miteinander verheiratet, verließen die Serie nach der dritten Staffel wegen Vertragsstreitigkeiten. Dabei war ausgerechnet Landau die Rolle von "Mission: Impossible"-Erfinder Bruce Geller auf den Leib geschrieben worden; sein Charakter sollte zunächst sogar Martin Land heißen. Leonard Nimoy alias "Mr. Spock" übernahm Landaus Part als "Mann mit den 1000 Gesichtern" in den Staffeln 4 und 5, bis auch er der Latex-Masken überdrüssig war.

Das Kobra-Team und seine Darsteller Steven Hill (Dan Briggs, 1966 - 1967), Peter Graves (Jim Phelps, 1967 - 1975), Barbara Bain (Cinnamon Carter, 1966 - 1969), Martin Landau (Rollin Hand, 1966 - 1969), Peter Lupus (Willie Armitage), Greg Morris (Barney Collier), Leonard Nimoy (Paris, 1969 - 1971), Sam Elliott (Doug, 1970 - 1971), Lesley Ann Warren (Dana Lambert, 1970 - 1971), Lynda Day George (Lisa Casey, 1971 - 1973), Barbara Anderson (Mimi Davis, 1972 - 1973)

Als Gaststars treten u. a. Eartha Kitt, Sid Haig, Billy Dee Williams, William Shatner, John Vernon, Fritz Weaver, Roddy McDowall, John Crawford und John Ireland auf.

Die Kultserie wird zum Kinofilm Der Pilotfilm lief am 1966-09-17 beim amerikanischen Sender CBS; die deutsche Erstausstrahlung begann am 1967-12-19.

Die pulsierende Titelmusik von Lalo Schiffrin hielt sich 1968 14 Wochen lang in den Top 100-Charts. Für Brian de Palmas Kino-Hommage 1996 frischten Adam Clayton und Larry Mullen das Jazz-Thema gehörig auf; mit Remixen bezeugten berühmte Techno-DJs wie Junior Vasquez, Dave Clark, Goldie & Bob Playford dem Stück ihren Respekt.

Den Pilotfilm unter der Regie von Bernard L. Kowalski fotografierte übrigens der renommierte Kameramann und Oscargewinner John Alton ("Vater der Braut", Ein Amerikaner in Paris).

Was Kult ist, kann nicht unkopiert bleiben. Inzwischen existieren zahlreiche Spin-Offs: Von 1988 bis 1990 entstand mit "In geheimer Mission" eine späte Fortsetzung mit Peter Graves alias Jim Phelps als Leiter eines neuen jungen Teams. Der Generationenwechsel ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen: Phil Morris spielt Grant Collier, den Sohn des ehemaligen Kobra-Mitglieds Barney Collier, und ist auch im wirklichen Leben Sohn des Darstellers Greg Morris. Auch mit dem technischen Fortschritt hielt die Serie stand. Denn statt durch das legendäre Tonband, das sich nach fünf Sekunden selbst zerstörte, erhält Jim Phelps seine Infos nun per CD-ROM.

Wiederholt wurden Versuche unternommen, den Hype der Serie auch auf die Kinoleinwand zu transportieren. So existierte bereits ein Drehbuch für eine Kinofassung mit Titel "Good Morning, Mr. Phelps"; Leonard Nimoy, für die Regie vorgesehen, lehnte jedoch ab. Schließlich verlief das Projekt im Sande.

Hollywoods Top-Akteur Tom Cruise sicherte sich daraufhin die Kinorechte an dem Stoff und engagierte Erfolgsregisseur Brian de Palma als Regisseur für das erste Projekt seiner neugegründeten Produktionsfirma. Mit Mission: Impossible setzte de Palma 1996 neue Maßstäbe im Actiongenre. Zu seinem Staraufgebot gehörten neben Cruise auch Jon Voight (als Jim Phelps), Emmanuelle Béart, Jean Reno, Kristin Scott-Thomas, Vanessa Redgrave und Emilio Estevez (uncredited).

Nachdem sich die Fortsetzung verzögerte, weil Tom Cruise unerwartet lange für Stanley Kubricks Eyes Wide Shut vor der Kamera stand, befindet sich das Sequel des Kinoerfolgs nun im Stadium der Pre-Production; heißester Anwärter für den Regiestuhl ist Hongkongs Action-Ikone John Woo (Im Körper des Feindes).

Was Kult ist, kann aber auch nicht unkommentiert bleiben: Kaum eine andere TV-Serie wurde so oft zitiert, persifliert, parodiert und ironisiert wie "Kobra, übernehmen Sie". Durch den Kakao gezogen wird sie u. a. in "New Jack City", "Hudson Hawk - Der Meisterdieb", "Wayne's World", "Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv" und Agent 00 - Mit der Lizenz zum Totlachen. Die Spice Girls nahmen sich in ihrem Kinodebüt Spiceworld - Der Film der Szene an, in der Tom Cruise an einem Seil schwebend in eine Hochsicherheits-Computerzentrale eindringt.

SAT.1 zeigt die Kultserie "Kobra, übernehmen Sie" komplett mit allen Folgen. 170 Episoden lang Serien-Kult pur!

ThemenChannel CyberSerien von Familie-im-Web
© 1998 Sat.1 © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken