Melrose Place

Originaltitel: Melrose Place

In Los Angeles gibt es tatsächlich eine "Melrose Avenue" - es ist eine dieser langen Straßenfluchten, an denen sich Cafés, poppige Boutiquen mit Vinylblusen, klobigen Schuhen, Seifen in allen Farben und Formen und witzigen Grußkarten endlos aneinanderreihen. Der Melrose Place in den Köpfen der Fernsehzuschauer sieht allerdings ganz anders aus: Es ist so eine Art "Super-Hyper-L.A.", wo es von Traumtypen (Männern und Frauen, versteht sich) nur so wimmelt. Sie sind stets nach der neuesten Designermode gekleidet und haben ein extrem kurzes Gedächtnis, denn man vergisst und verzeiht sich so gut wie alles.

Es ist ein Ort, an dem es nie regnet, die Frisuren immer sitzen, das Make-Up stets perfekt ist und der Körper nie überschüssige Fettpölsterchen aufzuweisen hat; wo Arbeit und Amüsement, Streit und Versöhnung Hand in Hand gehen; und wo innerhalb einer einzigen Episode mehr passiert als sonst in der ganzen Saison irgendeiner anderen Serie.

Wenn es bei anderen Serien um "rein gar nichts" geht, so geht es in Melrose Place immer um "alles auf einmal" und zwar die ganze Zeit über - und "alles" passiert pausenlos diesen unverschämt gutaussehenden jungen Leuten, die in diesem kleinen Apartmentkomplex mit den erstaunlich niedrigen Mieten ungestört in ihrer eigenen kleinen Welt vor sich hin leben.


  • Episodenführer 1. Staffel
  • Episodenführer 2. Staffel
  • Episodenführer 3. Staffel
  • Episodenführer 4. Staffel
  • Episodenführer 5. Staffel
  • Episodenführer 6. Staffel
  • Episodenführer 7. Staffel

Die "Väter" von Melrose Place sind dieselben Leute, deren Köpfe schon Der Denver-Clan entsprungen ist (sie wussten nämlich schon immer, dass zuviel des Guten - egal ob Öl, Diamanten, blondes Haar, Intrigen oder Miniröcke - einfach nie genug sein kann) und deren Boss Aaron Spelling ist.

Der Denver-Clan war die Hit-Soap der 80er Jahre: ein Spiegel der konsumorientierten Reagan-Ära, wo mit Schulterpolstern ausstaffierte Luxusmenschen im Reichtum schwelgten und rücksichtslos über Leichen gingen.

Vom Erfolg von Dallas inspiriert, bestimmte Der Denver-Clan was eine gute Prime Time-Soap zukünftig zu enthalten hatte: Emotionale Spannungen, Leidenschaft, gute und böse Kontrahenten, die in ewigen Kampf aufeinander treffen - so wie man es von den "Daily-Soaps" gewöhnt war, aber mit sich schneller ablösenden Handlungssequenzen und einem weitaus höherem Budget für Spezialeffekte und Ausstattung.

Doch die Zeiten ändern sich, der Geschmack und die allgemeinen Werte unterliegen einem steten Wandel. Der Erfolg von Melrose Place war darauf zurückzuführen, dass es das bekannte Strickmuster der Prime Time-Soaps an die heutige Zeit angepasst hat und sein Stil den unruhigen, von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägten 90ern entspricht.

Im Gegensatz zu den "Carringtons" und "Ewings" haben die Bewohner vom Melrose Place ganz normale Berufe, mit denen man sich leicht identifizieren kann: Ärzte und Modedesigner, leitende Angestellte einer Werbeagentur und Barbesitzer, Schriftsteller, Sozialarbeiter und Fotografen (wir reden jetzt nicht davon, dass Sydney einst als Prostituierte gearbeitet hat und Mitglied einer Sekte war - obwohl das gerade in L.A. auch als recht normal gelten dürfte ...).

Sie arbeiten hart für ihr Einkommen, ihre Wohnungen sind schick, aber nicht zu teuer eingerichtet, ihr Schmuck ist erschwinglich und die Nachbarn treffen an ganz "normalen" Orten aufeinander: im Büro, in der Küche, in den Fluren von Krankenhäusern, vor Gericht oder bei der Müllentsorgung.

Ihren Feierabend genießen sie wie jeder andere US-Amerikaner auch: mit einer kühlen Erfrischung in der Kneipe oder ein paar Runden im Schwimmbecken - oder mit heißem, leidenschaftlichen Sex (vorzugsweise natürlich mit jemanden, von dem sie eigentlich die Finger lassen sollten ...). Und genau hier hören die Gemeinsamkeiten, die der Normalsterbliche mit Melrose Place hat, auch schon auf.

Was waren doch alle noch nett, als die Serie 1992 als Ableger von Beverly Hills, 90210 startete: Michael Mancini (Thomas Calabro) und seine Frau Jane (Josie Bissett) waren ein reizendes, hart arbeitendes junges Ehepaar. Jake (Grant Show) war ein netter, hart arbeitender Bursche, der Beverly Hills' Kelly (Jennie Garth) auf rücksichtsvolle Art und Weise zu verstehen gab, dass er nicht der Richtige für sie war.

Jo (Daphne Zuniga), die nach 15 Folgen dazustieß und die von Amy Locane dargestellte Kellnerin Sandy ersetzte, war noch das härteste Kaliber der Serie - und das wohl auch nur, weil sie von New York herübergezogen war.

Matt (Doug Savant) war schwul, hielt sich aber darüber bedeckt. Rhonda (Vanessa Williams) war schwarz, aber das war auch egal. Mit einem Wort: die Charaktere waren phantasielos und die Serie auf dem absteigenden Ast! Und dann, im Januar 1993, passierte etwas ganz Wunderbares: Amanda (Heather Locklear) kam daher, mit Röckchen, die so kurz waren, als würde sie die ganze Welt dazu einladen, ihr Gynäkologe zu sein. Ein blondgebleichter Engel mit dunklem Haaransatz auf dem hübschen, intriganten Köpfchen.

Und plötzlich - wie der Blitz - war Rhonda verschwunden und machte Melrose Place damit zur blütenweißesten Wohngegend in ganz L.A.-County. Genauso schnell tauchten Sydney (Laura Leighton) und Kimberly (Marcia Cross) auf - und Michael verwandelte sich in Windeseile in die falsche Schlange, die wohl schon immer in ihm geschlummert hat. Und Billy (Andrew Shue) und Alison (Courtney Thorne-Smith) waren zusammen, getrennt, zusammen und wieder getrennt.

In kürzester Zeit gab sich jeder entweder als intrigantes Biest (Amanda, Michael, Brooke, Kimberly, die eine Hälfte von Sydney) oder als strohdumm (Billy, Alison, Jane, Matt, die andere Hälfte von Sydney) zu erkennen. Was für eine Wohltat!

Heutzutage ziehen die Handlungsblöcke in solch' atemberaubenden Tempo an uns vorbei, dass der Gang zur Küche oder ins Badezimmer gut überlegt sein will: Man läuft Gefahr innerhalb von Sekunden eine gemeine Intrige, eine Verführung, einen Mordversuch, eine erneute Manifestation geistiger Instabilität oder Minderbemitteltheit - oder einen dieser hervorragend bissigen Dialoge zu verpassen, die Melrose Place so einzigartig machen.

Am Ende der 3. Staffel wurde in die beiden Episoden soviel Handlung hineingestopft, dass als Krönung des Ganzen wirklich nur eines übrig blieb: den ganzen Apartmentkomplex von Kimberly persönlich in die Luft sprengen zu lassen!

Die Explosion auf dem Bildschirm war auch für die Zuschauer und Fans eine Art Ventil! Oft ist das Leben eintönig geworden, so eingefahren: Kein Zug am Haschpfeifchen mehr, kein Sex ohne Gummi, keine Spritztour ohne Sicherheitsgurt ...

Aber wie dankbar sind wir Melrose Place dafür, dass diese Serie uns in der Überzeugung bestätigt, dass nicht wenige von diesen Menschen, die sich nach außen hin so normal geben, kalorienbewusst essen und in Maßen trinken, jeden Monat ihr Gehalt beziehen und sich anständig kleiden, in Wirklichkeit verkappte Psychopathen sind, die ihrer melodramatischen Hölle niemals entfliehen können! Sicher lieben wir Melrose Place gerade deshalb so sehr...

Und dann geht es in den Endkampf um den Melrose Place - und natürlich ist der Weg zum Finale gepflastert mit Liebe, Hass und Leichen! Let's have fun ... und eine Menge Fingernägel zum Anknabbern!


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Hauptdarsteller von 'Melrose Place'
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