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Was ist eine Telenovela?

In Südamerika sind die überaus beliebten Telenovelas seit den 1950er Jahren nicht mehr aus der Fernsehlandschaft wegzudenken. Seinen Ursprung hat das Genre im Fortsetzungsroman. Als im Juni 2004 die Dreharbeiten zur ersten deutschen Telenovela, der ZDF-Produktion "Bianca - Wege zum Glück" in Babelsberg und Umgebung begannen, war der Begriff Telenovela weniger als zehn Prozent der deutschen Fernsehzuschauer bekannt. Immer wieder tauchte die Frage auf: Was ist eigentlich eine Telenovela?
Die Ursprünge der Telenovela Ihren Ursprung hat die Telenovela im vorrevolutionären Kuba. Dort wurden, schon in den Zeiten vor dem Aufkommen des Radios, den Arbeiterinnen in den Zigarren-Manufakturen während der Arbeit Romane vorgelesen - logischerweise in Fortsetzungen, die sich aus den Unterbrechungen von Arbeitstag zu Arbeitstag ergaben. Diese Tradition hat sich dort bis heute erhalten.

In Europa war der so genannte Fortsetzungsroman schon seit dem 18. Jahrhundert populär. Werke der Weltliteratur von Alexandre Dumas ("Die drei Musketiere") und Charles Dickens ("Oliver Twist") erschienen ursprünglich in Zeitungen und Zeitschriften - sie wurden teilweise sogar von Ausgabe zu Ausgabe produziert, was einige merkwürdige Längen in den Romanen erklärt: Kam eine Geschichte beim Publikum gut an, hatte der Autor die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen, in dem er sie verlängerte.

Die Telenovela im Radio In Kuba wurde in den 1930er Jahren die Tradition des Fortsetzungsromans auf das neue Medium Radio übertragen. Romane wurden dramatisiert, also durch Schauspieler und Regisseure zu Hörspielen umgearbeitet. Die beliebten Serien wurden Exportschlager in andere süd- und mittelamerikanische Länder, wo bald auch mit eigenen Produktionen, die Bezug auf lokale Verhältnisse nehmen konnten, begonnen wurde.

Diese Zeit beschreibt in pointierter Weise der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa in seinem Roman "Tante Julia und der Kunstschreiber", der 1990 als "Julia und ihre Liebhaber" mit Peter Falk, Keanu Reeves und Barbara Hershey verfilmt wurde.

Die Erfolg im Fernsehen Das Aufkommen des Fernsehens in Lateinamerika läutete in den 1950er Jahren den endgültigen Siegeszug des Genres ein. Von anfangs kleineren Produktionen mit 15 bis 20 Fortsetzungen entwickelte sich die Telenovela zur heutigen Form mit 150 bis 200 Episoden und wurde zur populärsten Art der Fernsehunterhaltung.

Auch bei uns bekannte Stars wie Ricky Martin und Selma Hayek nutzen die Beliebtheit der Serien für Gastauftritte. Die Hauptdarsteller der Geschichten werden in ihrer Heimat verehrt wie Hollywood-Stars. Selma Hayek wird noch in diesem Jahr für den US-amerikanischen Markt eine Adaption einer kolumbianische Telenovela produzieren.

Kein Ende in Sicht Von Südamerika aus traten die Telenovelas die Fortsetzung ihrer Export-Erfolgsgeschichte rund um die Welt an, zunächst in Spanien und Italien, dann in den GUS-Staaten. Mit "Bianca - Wege zum Glück" sind die Sagas um Frauenschicksale, große Sehnsüchte, Gefühle und nicht zuletzt Gefahren in Deutschland angekommen. Kurz darauf begannen auch Sat.1 und die ARD, diesem Erfolg nachzueifern.
Aktuelle Telenovelas im deutschen Fernsehen
  • Sophie - Braut wider Willen (ARD)
  • Sturm der Liebe (ARD)
  • Verliebt in Berlin (Sat.1)
  • Julia - Wege zum Glück (ZDF)
Hauptdarsteller von 'Wege zum Glück'
Szenenfoto 'Sturm der Liebe'. Foto: ARD / Jo Bischoff
Darsteller von 'Verliebt in Berlin'
'Sophie - Braut wider Willen': Yvonne Catterfield. Foto: ARD / Nicole Manthey

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